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Antdorf greift tief in die Rücklagen

Antdorf, den 11.08.2016
Hohe Ausgaben, tröpfelnde Steuereinnahmen:
Gemeinderat verabschiedet Doppelhaushalt

 

Die Gemeinde Antdorf greift kräftig in ihre Rücklage.

Grund sind diverse Großausgaben in dem 1288 Einwohner-Dorf.

Dies ist das Ergebnis des Doppelhaushalts 2016/2017,

den der Gemeinderat diese Woche einstimmig absegnete.

 

Kämmerer Josef Kinshofer hatte es sich nicht leicht getan, bis das Finanzpaket stand.

Der erste Entwurf fiel durch, wie er in der Sitzung erläuterte. Zu viele Wünsche standen

auf der Ausgabenseite. Nun lag eine abgespeckte Version vor, die der Kommune trotzdem

finanziell einiges abverlangt. Als Folge muss Antdorf rund 1,5 Millionen Euro aus seiner
Rücklage entnehmen. Im Gemeindesäckel sind zum Jahresende nur noch knapp

60 000 Euro. Er soll aber ab 2017 wieder gefüllt werden, so die Prognose. Schwer tat

sich der Kämmerer mit der Gewerbesteuer: „Die tröpfelt. Im zweiten Quartal ist nicht viel

gekommen.“ Entsprechend vorsichtig setzte er für heuer 300 000Euro an – 55 000

bis 60 000 Euro fehlten dafür aber noch. Die Gemeinderäte bat Kinshofer: „Wir müssen

eine strikte Ausgabendisziplin an den Tag legen.“ Hintergrund sind die hohen Ausgaben

unter anderem heuer für die Kreisumlage (666 000 Euro), Restarbeiten und Rechnungen

für das neue Gewerbegebiet (946 000 Euro) und 200 000 für die Dorferneuerung.Bürgermeister

Klaus Kostalek räumte ein: „Wir müssen ein bisserl kürzer treten.“ Dennoch möchte er bald

ehrgeizige Projekte im Rahmen eines „Dorfzentrums“ angehen. Rund um das Rathaus sollen

ein Dorfplatz, ein Seniorenzentrum und ein neues Feuerwehrhaus entstehen. Dafür hält der

Haushalt vorsorglich 650 000 Euro für den Grunderwerb sowie 100 000 für die Feuerwehr-Planung

bereit. Auch die Erweiterung des Kindergartens und vielleicht sogar ein Dorfladen gehören

für Kostalek zu diesem „Gesamtkonzept“. Und dann denkt der Rathauschef an ein neues

Baugebiet. Noch ist mitdem Standort nichts in trockenen Tüchern, der Kämmerer hat aber

620 000 Euro für den Erwerb eines Areals reserviert. Gut, dass sich auf der Einnahmenseite

etwas tut, an der Spitze vor allem der Anteil an der Einkommensteuer, die Schlüsselzuweisung

und die Erschließungsbeiträge fürs Gewerbegebiet. Ein Indikator für die Leistungskraft einer

Gemeinde ist die Zuführung zum Vermögenshaushalt: Geld, das für Investitionen bleibt. In Ant-
dorf ist heuer und nächstes Jahr nur wenig angesetzt. Allerdings kommt in der Regel bei der

Jahresrechnung doch mehr heraus. 2015 waren es 111 000 Euro. Das ist mit ein Grund, warum

der Kämmerer nicht komplett auf die Bremse treten wollte. Obwohl er den Haushalt mit

„Abwartehaltung“ charakterisiert. Sollte sich die Gewerbesteuer positiv entwickeln, könnte

es im Herbst einen Nachtragshaushalt geben. Trotz der vielen Investitionen bleibt Antdorf

schulden frei. Für 2016 und 2017 sind keine Kredite vorgesehen. Lediglich der Kassenkredit,

eine Art Dispo zur Überbrückung, wird von 330 000 auf 360 000 Euro erhöht.

 

Quelle: Penzberger Merkur

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Antdorf greift tief in die Rücklagen