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Sorgen wegen neuer Kiesgrube

Antdorf, den 19.07.2016

Antrag auf Abbau bei Breunetsried wird genehmigt,

aber nicht von allen Gemeinderäten gut geheißen

 

 Kiesabbau ist in der Region immer ein sensibles Thema.

Zum einen wegen der Landschaft, zum anderen wegen der

möglichen Belastung durch Verkehr, Lärm und Dreck.

 

So auch in Antdorf:

Dort sorgte der Antrag einer regionalen Firma nicht für ungeteilte Begeisterung.

Dem Ansinnen wurde nur knapp zugestimmt, denn es gibt Bedenken. Das Unternehmen
möchte laut Bürgermeister Klaus Kostalek auf einer Hanglage an der Kreisstraße
zwischen Antdorf und Penzberg aktiv werden unterhalb des Weilers Breunetsried,

neben einer ehemaligen Kiesgrube.Geplant ist ein Abbau auf einer Fläche von

21 150 Quadratmetern, teilte der Rathauschef in der jüngsten Sitzung mit.

Die Flächen würde die Firma von privat nutzen. Jährlich sollen Kostalek zufolge zirka

50 000 Kubikmeter Kies abgebaut werden und zwar im Trockenbauverfahren ohne

Verarbeitung vor Ort. Die Reinigung des Materials soll in einer Waschanlage

in Sindelsdorf geschehen, den entsprechenden Lieferverkehr plant der Betrieb
über Penzberg oder Antdorf. Über fünf Jahre sind auf den 2,1 Hektar Fläche gemäß An-
trag 260 000 Kubikmeter Abbau in drei Bauabschnitten vorgesehen. Das Unterneh-
men möchte die Rekultivierung parallel zum Abbau angehen, erfuhren die Gemein-
deräte. Angekündigt werden umfangreiche Schutz- und Rekultivierungsmaßnahmen.
Diese reichen laut Plan von der Verfüllung der Gruben über den Rückbau der Er-
schließungswege bis zur „Wiederherstellung der ehemaligen Topografie“. Zudem
sollen mit Abbaubeginn die Quellbereiche mit Zäunen geschützt und der Baumbestand
erhalten werden. Doch nicht alle Gemeinderatsmitglieder waren von dem Vorhaben begeistert.

Angezweifelt wurde vor allem, ob das angepeilte Zeitfenster von fünf Jahren auch für die Wie-
derverfüllung der Gruben reicht. Denn das dafür nötige Sondermaterial, extra geprüft
und unbelastet, sei schwer zu bekommen, musste Rathauschef Kostalek einräumen.
Zweiter Bürgermeister Franz Thanner sprach sich deshalb dafür aus, im Beschluss ein
Datum vorzugeben. Der geplante Lärm- und Sichtschutzwall entlang der Kreisstraße,

der mit heimischen Gehölzen bepflanzt werden soll, sorgte ebenfalls.

 

Anwohner sehen Abbau kritisch

 

Gegen den geplanten Kiesabbau unterhalb von Breunetsried regt sich Widerstand. Rechtsan-
walt Dr. Michael Wildegans, der in Garmisch-Partenkirchen lebt, hat im Namen seiner Familie
beim Landratsamt und bei der Gemeinde schriftlich Bedenken geäußert. Sein Sohn betreibt in
Breunetsried eine Landwirtschaft mit Mutterkuhhaltung, Pferdepension und Teichwirtschaft.
„Wir haben vom beabsichtigten Kiesabbau nur durch Zufall erfahren“, so der Jurist. Die Familie
besitzt ein Grundstück mit Wohnhaus neben der geplanten Kiesgrube, zudem Fischteiche auf der
anderen Straßenseite am Schwadergraben. Michael Wildegans hält das Abbau-Vorhaben
„für schlichtweg schlecht“. Zum einen würde ein erheblicher Teil des Breunetsrieder Endmorä-
nenhügels verschwinden, sagt er. Das Gelände sei ein einzigartiges Hochplateau und „uraltes
Siedlungsland“ schon seit Klosterzeiten. Zweitens ürchtet er um die Wasserversorgung der benach-
barten Fischteiche im Schutzgebiet. Diese würden zwar auch vom Schwadergraben gespeist,
doch das reiche nicht aus. Man sei zusätzlich angewiesen auf die artesischen Quellen, die im Ab-
baugebiet lägen. Wildegans fürchtet, dass trotz Trockenabbaus kostbares Nass benötigt wird und
dadurch das Grundwasser absinkt. Mit der Folge, „dass die Teiche möglicherweise trocken fallen“.
Er verlangt daher auch ein Wasserrechtsverfahren, in dem die Folgen untersucht werden. Drit-
tens sorgt er sich um eine Verkehrs- und Dreckbelastung und dass bei Hochwasser Schwebestoffe
und Lehm ins FFH-Gebiet gespült werden. Wildegans sieht sich in seiner Kritik durch die
knappe Entscheidung im Gemeinderat bestätigt. Das Verfahren läuft aber erst an und wird
von den Fachbehörden geprüft. Was er dann gegen den Abbau machen will, weiß er nicht.

 

Quelle: Penzberger Merkur (ab)

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Sorgen wegen neuer Kiesgrube