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Wer schneller büßt, hat mehr Zeit für Sünden

Antdorf, den 16.07.2016

Luise Kinseher und ihr kabarettistischer Rundschlag

zwischen Antdorf und der ganzen Welt.

 

 

 Luise Kinseher, die „Mama Bavaria“ vom Nockherberg,

eröffnete am Donnerstag die Jubiläumsfeier des ASV Antdorf.

Rund zwei Stunden heizte sie dem Publikum im Höck-Stadl ein,

ein kabarettistischer Rundumschlag vom Dorf bis in die Weltpolitik.

Für den doch eher ungewöhnlichen und zugigen Veranstaltungsort hatte

 

die niederbayerische Kabarettistin die passende Erklärungparat: „Ich bin ja zum ersten Mal da,

der Anlass ist das 50-Jährige von so ‘am Turnverein. Und da ham’s halt eben schnoi mal wieda

woshibaut.“ Die nur mit Planen verschlossene Seite war denn auch gleich „der größte Notausgang,

den ich kenne, aber die Antdorfer wollen halt wissen, wo’s langgeht“. Und über die Veranstalter:

„Der Bürgermeister ist der Vorstand, der Großbauer muass d’Festl ausrichten, zwoa, drei Großkopfade,

und es lauft! “ Und auch die im Dorf präsente „Security“ fand Erwähnung: Kinseher fragte sich, ob auf

die Kühe im benachbarten Stall wohl auch einer aufpasst. In ihrem Programm schlüpfte Kinseher in die

Rolle der dauerbesoffenen „Famous Mary from Bavary“, die mit ihrem „Top Charts Number One Top Title“

in den „Vereinigten Afrikanischen Emiraten“ Karriere gemacht hatte, Millionen verdiente und am Ende

doch nur dauernd über George Clooney stolperte, der immer und überall Espresso trinkt.

Auch die Trends unserer Tage kamen nicht zu kurz, das Stüberl, das jetzt Lounge heißt und in dem

es Hopfen Smoothie statt Weißbier gibt, der Wellness-Wahn ihrer Freundinnen, die sie zum Yoga bringen

wollten, was bei ihr aber eher Gnadenhof-Gymnastik wurde, und den neuen Renner Zitronengras für

die Küche: „Ingwer ist ja längst out, das hat sich bloß noch nicht bis zum Schuh beck rumgesprochen.

“ Sie verkörperte aber auch die in die Jahre gekommene norddeutsche Touristin brillant, philosophierte

über die wunderbaren Erinnerungen, die noch viel schöner sind, seit ihr Heinz alles vergisst.

Und wieder als Luise Kinseher gab’s Geschichten aus der niederbayerischen Heimat Geiselhöring,

wo es immer „halb Drei“ ist, über die Freien Wähler („Die CSU war voll, so sind die Freien Wähler

entstanden“) und über die Zeit. Sie selbst habe ja eine Fitness-Uhr, die ihr ständig alles ausrechnet

bis hin zum voraussichtlichen Todeszeitpunkt. Auch die katholische Kirche habe jetzt eine App für die

schnelle Buße zwischendurch, denn: „Wer schneller büßt, hat mehr Zeit zum Sündigen. “ Besonders

viel Applaus gab’s, als sie das Publikum einband. Neben Bürgermeister und zweitem ASV-Vorstand

(„Du bist doch Bäcker, du derfadst schlafen jetzt, des dad mir nix ausmach’n“) suchte sie

zwei weitere „Kandidaten“ aus, eine Psychologin („San des hier alles Patienten?“) und einen

Junggesellen auf Brautschau, der in der Freizeit operiert. Besonders der Hobby-Chirurg hatte es
ihr angetan, daher die Frage „Willst Du mein Bada-Mandl sein?“, bevor eine niederbayerische

Liebeserklärung, eine betrunkene Erklärung der Quantenphysik und ein gelungener

Jodler den Abendbeschlossen.

 

Quelle: Penzberger Merkur (BIANCA R. HEIGL)

 

Foto: Luise Kinseher